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Wild durchs Jahr im Juli – Frischkäse mit dem echten Labkraut

by karinareichl
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Mit dem ersten selbstgemachten Frischkäse ist es ein bisschen wie mit dem ersten selbstgemachten Sauerteigbrot. Der erste Versuch lässt viel Spielraum nach oben. Man wird aus jedem Versuch schlauer, passt sich seiner Umgebung, der Temperatur, den Werkzeugen an und dann, mit ein wenig Geduld, hat man den Dreh raus.

So lange möchte ich euch nicht warten lassen und euch heute die Schritte zeigen, wie ich meinen ersten Frischkäse mit dem echten Labkraut hergestellt habe. Nach diesem Versuch seht ihr auf den Fotos, dass noch Luft an der Körnigkeit nach oben besteht. Ich habe mir aber danach ein paar Ratschläge und Verbesserungstipps geholt, die ich gleich in die Schritt für Schritt Anleitung einfließen lasse.

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Denn jetzt blüht es noch, das echte Labkraut. Das gelbe nach Honig duftende Kraut, dass in früheren Zeiten zur Käsezubereitung verwendet wurde. Seit Jahren hat es mich in den Fingern gekribbelt hier den ersten Schritt in Richtung Käse zu machen und einen Frischkäse herzustellen. In diesem Jahr war es dann soweit, denn wir haben ein wunderbares Labkraut-Jahr. Sonst eher rar zu finden, blüht es 2020 so üppig wie nie.

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Lab – Name ist Programm

Es verrät ja auch schon der Name „Lab“kraut, dass es hier etwas mit dem Eindicken der Milch auf sich hat. Heutzutage wird für die Käsegewinnung oft tierisches Lab verwendet. Aber auch Pflanzen enthalten dieses Enzym, dass die Milch gerinnen lässt ohne dabei sauer zu werden. Sowohl die Wurzel als auch die Blüten können verwendet werden. Eine feine gelbliche Farbe soll der Frischkäse aber nur durch die Blüten bekommen. Das werde ich heute versuchen.

Schritt für Schritt zum Labkraut-Frischkäse

Als erstes fahre ich aber zu meinem Milchbauern des Vertrauens um mir dort frische unpasteurisierte Kuhmilch zu holen. Ich hatte auch kurz überlegt das auch mit Ziegenmilch zu versuchen aber diese ist zu fett und es würde beim ersten Versuch nicht so gut funktionieren, dass sich hier ein Frischkäse bildet.

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Zutaten:

  • 1 Liter nicht pasteurisierte Kuhmilch
  • 10 Zweige Echtes Labkraut
  • 2 EL Joghurt

Equipement:

  • Thermometer
  • Topf
  • Handtuch
  • Passiertuch geeignet zum Käsemachen
  • Messer und ein Stück Draht

Schritt 1

Zunächst wird die Milch zum Kochen gebracht. Achte darauf immer umzurühren, damit diese nicht anbrennt oder übergeht. Wenn sie kocht, wird die Temperatur reduziert, damit die Milch 30 Grad erreicht.

Schritt 2

Die Labkrautzweige werden in offenen leere Teebeutel gesteckt. Das hat den Vorteil, dass die geronnene Milch dann nicht an den Kräutern haften bleibt und du viel von der Milch verlierst. Ich habe zwei Teebeutel mit dem Labkraut vollgesteckt.

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Schritt 3

Die gefüllten Teebeutel werden nun in die 30 Grad warme Milch gedrückt und nun soll alles 12 Stunden ruhen und nicht berührt werden. Stress ist schlecht beim Käsemachen. Ideal wäre es, wenn die 30 Grad so lange wie möglich erhalten bleiben. Entweder kannst du für 12 Stunden deinen Herd einschalten und für diese genaue Wärme sorgen. Ich habe den Topf aber in ein Handtuch gepackt und in den Herd (ohne Temperatur) gestellt und zugemacht.

Schritt 4

Nach gut 12 Stunden habe ich den Topf aus dem Herd genommen und siehe da, tatsächlich die Milch ist geronnen. Nun werden die Teesäckchen rausgenommen und entsorgt. Es geht nun ans Schneiden der geronnen Milch, damit die Molke sich noch mehr vom Käse trennt. Zwischen den Schneidevorgängen wird immer 15 Minuten gewartet.

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Erster Schnitt: Mit einem Messer schneide ich im Topf von oben der Länge nach durch. Dabei sollen zwischen den Schnitten ca. 2 cm Abstand sein. Bei meinem kleinen Topf habe ich da ca. 6 Schnitte gemacht.

15 Minuten warten

Zweiter Schnitt: Nun wird nach den Längsschnitten der Quere nach geschnitten. Ebenfalls mit ca. 2 cm Abstand. Hier sollen danach kleine Würfel zu sehen sein… Im Idealfall 😉

15 Minuten warten

Dritter Schnitt: Nun kommt der Draht zum Einsatz, den ich zu einem Halbmond gebogen habe. Es soll nämlich der Käse in der Mitte auch durchgeschnitten werden. Bedeutet den Draht am Topfrand eintauchen – bis zur Mitte des Topfes – und dann einmal durchfahren. Stell dir vor du teilst ein großes Tortenstück mittig, um da dann die Marmelade aufzustreichen. Diesen Schnitt brauchen wir.

15 Minuten warten

Sodala und nun wieder alle drei Schritte mit jeweils 15 Minuten Wartezeit durchführen. Diese zwei Durchgänge braucht es.

Dein Passiertuch

Jetzt sollte man die Schnittwürfelchen in ein Passiertuch schöpfen. Das habe ich nicht gemacht, weil ich keine Schaumkelle habe. Ich bin so vorgegangen, dass ich alles in das Passiertuch gegossen habe und dann abtropfen ließ. Beim nächsten Mal habe ich bestimmt eine Schaumkelle und hole mir die Stückchen so raus und gebe sie ins Passiertuch.

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Sind die Käsewürfel im Tuch habe ich dieses mit einer Schnur abgebunden, dass ein Säckchen entsteht, wo die restliche Molke raustropfen kann. Meine Idee war es aufzuhängen und eine Schüssel unterzustellen, wo die restliche Molke abtropfen kann. Das hat  funktioniert. Mein Tipp-Geber hat mir aber gesagt, dass es besser und effektier ist, das Säckchen in einem Sieb mit etwas zu beschweren und mindestens 12 Stunden abtropfen zu lassen. Je länger es abtropft desto trockener und körniger wird der Frischkäse natürlich.

Nach zwei Stunden habe ich aber mein hängendes Säckchen bereits geöffnet und siehe da, der Frischkäse mit dem echten Labkraut ist fertig. Zwar wenig körnig aber beim ersten Versuch siegt halt die Ungeduld. Leider ist der Frischkäse nicht gelblich geworden wie ich durch die gelben Blüten gehofft habe. Abschließend habe ich meinen ersten selbstgemachten Frischkäse mit ein wenig Salz und getrockneten und zerkleinerten Wiesenblumen verfeinert. Und er ist für den ersten Versuch echt gut geworden. Das bedeutet für mich … Käse ich komme!

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