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Meisterwurz – Vom Wurzelkauen und Blatterweichen

by karinareichl
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Es ist meine Liebe zu den Alpenkräutern, die mich jedes Jahr aufs Neue für einen Urlaub auf über 2.000 Meter Höhe treibt. Dort oben wachsen Kräuter und Heilpflanzen, die es zum einen nur dort oben gibt und zum anderen sind die Wirkstoffe in den Pflanzen mit keinen anderen zu vergleichen.

Dass die sekundären Pflanzenstoffe wie Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle etc. in den Alpenkräutern so hoch sind, liegt an den strengen Gegebenheiten, denen die Heilpflanzen dort oben ausgesetzt sind. Kälte, starke Sonneneinstrahlung, Fressfeinde sorgen dafür, dass die Pflanzen ihren Abwehrcocktail mixen. Und das können wir uns zu Nutze machen. Und das tu ich auch.

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Jedes Jahr fülle ich meine eigene Naturapotheke mit ein paar Alpenkräutern auf, die ich für mich und meine Familie benötige. Dabei ist es aber natürlich ganz wichtig, erstens nur ganz kleine Mengen zu sammeln, also sich an die Handregel bzw. Sträußchen-Regel zu halten und zweitens, zu wissen, welche Pflanzen denn strengstens geschützt sind. Wie zum Beispiel der getüpfelte Enzian, dem ich in diesem Jahr das erste Mal gegenübergestanden bin.

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Es gibt da oben auch Kräuter, die sowohl in tieferen Ebenen oder auch Städten zu finden sind. Da versuche ich dann trotzdem auch, diese aus den oben erwähnten Gründen in den Bergen zu sammeln. In diesem Jahr habe ich zum Beispiel den Beifuß gesammelt und natürlich wie immer ein Sträußchen Schafgarbe.

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Meine Meisterwurzliebe

Genau vor einem Jahr hat mich die Liebe zur Meisterwurz gepackt. Ich würde fast sagen, seither verehre ich sie für ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und ihre Kraft. Gestoßen bin ich auf sie in Osttirol, davon habe ich euch schon in einem Blogbeitrag berichtet. Dort habe ich auch ihre Merkmale kennengelernt, um sie sicher bestimmen zu können. Denn sie gehört zu den Doldengewächsen und hier gibt es Pflanzen wie den Schierling, die hoch giftig sind.

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Aber der Geruch, der nach frischem Sellerie duftet oder die Blattform mit ihren hellen, grünen, herausstechenden, dreigeteilten Blättern. Sie wächst gerne neben dem Alpendost oder der Alpenpestwurz und um die zu bestimmen, habe ich natürlich auch in den Bergen immer mein Bestimmungsbuch mit dabei.

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Auch beim Sammeln heißt es vorsichtig sein. Denn wenn ich einfach nur nach Blättern greife, könnte dann auch schon mal ein giftiges Blatt vom tödlichen Eisenhut dabei sein.

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Aber da oben in den Bergen, da läuft die Zeit ein wenig ruhiger ab und die Zeit zum behutsamen Sammeln ist gegeben.

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Wurzelkauen – Ein Stückchen Meisterwurz im Rucksack

Viel von der Meisterwurz gelernt habe ich von der lieben Liesa Rechenburg die in ihrem Buch „Dort oben seh ich euch wachsen“ neben der Meisterwurz viele Alpenkräuter behandelt. Immer mit dem Erfahrungsschatz von Kamillus Kratzer. Der über 80-jährige Kamillus lebt in Prägraten am Großvenediger und für ihn ist die Meisterwurz die wichtigste Heilpflanze. Die Wurzel ist der Pflanzenteil, der am meisten verwendet wird und die größte Heilwirkung besitzt. Diese Kraft kann sich jeder von uns zu Nutze machen. Denn Kamillus kaut die bitter-scharf-schmeckende Wurzel bei Zahn- und Halsschmerzen. Vielleicht am Anfang ein wenig gewöhnungsbedürftig sollte man diese Methode aber unbedingt versuchen, denn die Bitterstoffe in der Wurzel helfen auch unserem Immunsystem enorm, weil sie Magen- und Darm stärken.

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Sie ist immer in seinem Rucksack mit dabei erzählt Kamillus, dass die Wurzel auch den Durst lindern kann und wenn einem die Kraft für den Weg am Berg fehlt, liefert ein Stückchen Meisterwurzwurzel die gewünschte Energie.

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Besonders bekannt ist aber auch der Schnaps, den man mit der Wurzel ansetzen kann. Die Meisterwurzwurzel gilt als natürliches Antibiotikum und wird auch von Kräuterkundigen als der Ginseng der Alpen bezeichnet.

Natürlich wer nicht die Möglichkeit hat, die Wurzel selbst auszugraben oder die Meisterwurz nicht sicher bestimmen kann, kann den Weg in ein Kräuterhaus oder die Apotheke suchen, wo die Wurzelstückchen zu kaufen sind.

Die Kraft der Meisterwurzblätter

Da ich bereits die Wurzel der Meisterwurz zuhause habe, habe ich es in diesem Jahr auf die Blätter abgesehen.

Am liebsten möchte man hineinbeißen. Dieser frische gemüsige Duft, verrät schon, dass die Blätter natürlich wunderbar frisch in der Kräuterküche einzusetzen sind. Kleingeschnitten sind die Blätter eine Würzpflanze und passen zum Beispiel wunderbar in einen Aufstrich.

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Aber die Blätter haben auch eine wundheilende Eigenschaft. Als Erste-Hilfe-Pflanze zum Beispiel bei kleinen Wunden, die auf den Bergen passieren, können die Blätter gequetscht und mit dem austretenden Blattsaft auf die Wunde gelegt werden. Auch wenn die Beine bei der Wanderung schmerzen und Erholung brauchen, kann der Blattverband angelegt werden. Ich trockne aber die Blätter und bewahre sie in meiner Kräuterapotheke auf, denn legt man die getrockneten Blätter in warmes Wasser ein, dann sind diese nach ca. 10 Minuten wieder weich und können ebenso als wundheilender Verband angelegt werden. Danke lieber Kamillus für diesen wunderbaren Tipp.

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Ihr seht also, es muss nicht immer ein Rezept mit Kräutern gezaubert werden. Es reicht oft schon das Kauen der Wurzel oder das Blattwerk von Heilpflanzen selbst. Und das ist es, was ich liebe, Kräuter und Heilpflanzen können uns als Begleiter im Leben schnell und einfach helfen. Egal ob auf über 2.000 Metern Höhe oder in der Stadt.

Und ein ganz besonderes Highlight in diesem Jahr war es auch, dass ich zum ersten Mal Steinböcke gesehen habe.

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